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Interview mit Holger Klein über die unibrennt Proteste in der Sendung Bluemoon auf Fritz

Ich halbe lange gehadert damit diesen Blogbeitrag zu schreiben. Was ich am letzten Freitag Abend vor dem Audimax gesehen habe liegt mir nämlich immer noch schwer im Magen. Es wurde schon öfters diskutiert wie links die #unibrennt Besetzung ist, ob Besetzung nicht per se ein Mittel der Linken ist, ob freie Bildung nicht ein Thema der Linken ist.

Diese Überlegungen in wie weit diese Bewegung sich einen ideologischen Anstrich gibt bzw. wie das Selbstverständnis einiger ihrer Mitglieder geartet ist, kann man lange und breit führen… Mich hat das nur begrenzt interessiert. Ich sehe die binären Kategorien von “Links” und “Rechts” als veraltet an und finde wir müssen darüber hinauswachsen. Viel zu oft hat sich ein Kompromiss in diesen Lagerkämpfen verloren.

Posieren für die Kamera

Leider werden diese veralteten Kategorien verdammt real und lebendig, wenn farbentragende Burschenschafter vor das Audimax kommen. Zuerst hab ich diesen blonden Jungen mit der Schärpe nicht ernst genommen. Er stand da recht ruhig und wurde belagert von einer Gruppe von Leuten der Krisenintervention und einem sehr angetrunkenen Typen der laut brüllend verlangte, das “der Typ” hineingelassen werden soll. Es wurden Fotos und Videos gemacht und der blonde Junge grinste. Er stand da ganz ruhig und argumentierte mit seinem Publikum. Als ich in die Diskussion einstieg, versuchte ich herauszufinden was er hier tut. Er sagte er wäre der Vize-Chef seiner Burschenschaft und hier um Verhandlungen zu führen. Er wäre mit allen unseren Forderungen einverstanden, bis auf die Frauenquote. Ich hab versucht mit ihm zu argumentieren, in dem Moment dachte ich man könnte bei ihm vielleicht etwas erreichen oder zumindest seinen Standpunkt ausloten. Leute mit rechten Ideologien kenne ich aus meiner Schulzeit schließlich genug und solche Gespräche hab ich damals auch oft genug geführt.

Das Gespräch wurde allerdings sehr schnell abgebrochen. Die Krisenintervention kam zu uns und begann ein Gespräch mit mir zu führen, begann mich von ihm abzulenken. Als sie merkten, dass man mit mir reden kann, boten sie mich in den OrgaRaum und erklärten mir “the big picture”. Zu diesem Zeitpunkt hab ich nicht verstanden wieso sie mich nicht mit diesem Typen reden lassen wollten, schließlich ist es nicht ausgeschlossen da etwas zu erreichen und eine basisdemokratische Bewegung sollte Redefreiheit als hohes Gut ansehen. Rede- und Meinungsfreiheit gilt als Menschenrecht allerdings für alle, auch für die Rechten! Das schlägt sich allerdings mit einem Plenumsbeschluss, der farbentragenden Burschenschaften den Zutritt ins Audimax verbietet. Man erklärte mir das diese Burschenschafter nicht zum Reden hier sind, sondern ganz einfach um zu provozieren. Und das die Krisenintervention hier ist um Streit und Kämpfe zu verhindern, sie sind der Puffer zwischen den rechten Burschenschaftern die hinein wollen und den linken BesetzerInnen, die das mit Gewalt abwehren würden. Getrieben ist die Krisenintervention von der Angst, dass sobald es zu Gewalt kommt, bei der die Polizei einschreiten muss, diese Besetzung aufgelöst wird. Eine Angst, die ich sehr gut nachvollziehen kann, und auch unabhängig davon bin ich dafür hier simple Gewalt zwischen Links und Rechts zu verhindern. Wenn diese Geschichte hier HeldInnen braucht, dann wären es die beiden Mädchen der Krisenintervention mit afghanischem und taiwanesischem Migrationshintergrund, die durch ihr Einschreiten die ganze Nacht über dafür gesorgt haben das kein Blut fließt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch nicht davon überzeugt, dass es einwandfrei richtig war was die Krisenintervention tat. Ich war der Meinung man muss mit den Leuten sprechen und ihnen den Raum geben zu argumentieren. Ganz im Sinne von Lucas Meinung “Wir müssen unsere KritikerInnen überzeugen”. Da verwiesen sie mich allerdings auf den Plenumsbeschluss farbentragende Burschenschafter aus dem Audimax auszuschließen und ihnen keine Raum zu geben. Den Beschluss kannte ich und sah ihn äußerst kritisch, aus oben genannten Gründen der Meinungsfreiheit. Aber viel kritischer ist die Tatsache, dass die reine Präsenz von Burschenschaftlern reicht um innerhalb der Audimax Bewegung eine Spaltung zu erreichen.

Posieren für die Kamera

Lange konnten wir im geheiztem Pressezimmer nicht diskutieren, denn wir wurden bald raus gerufen mit der Ansagen die Burschis sind mit mehr Leuten zurück gekommen. Dort draußen fanden wir auch wieder den blonden Jungen mit der Schärpe, noch 4 andere Burschenschafter im Anzug und den einen besoffenen Typen der auch vorhin schon für den Burschenschafter argumentierte. Es fielen unzählige sexistische Aussagen und die gesamte Rhetorik war sehr darauf ausgelegt zu provozieren. Einige Leute machten sich daran mit ihnen konstruktiv zu diskutieren, allerdings ohne Erfolg. Es war kein sachliches Argument mehr möglich, sondern wurde nur noch provoziert. Dann kam die Gegenseite dazu. Zwei Punk Mädchen aus dem Audimax stiegen ein in das Gespräch, das zum Geschrei wurde.

Eines der Punk Mädchen spuckte dem farbentragenden Burschenschafter auf seine Jacke. Dieser grinste nur, aber der besoffene Typ begann daraufhin komplett auszurasten. Die Krisenintervention, die Securities der Uni Wien und ich waren daraufhin nur noch damit beschäftigt diesen Typen von dem Punk Mädchen fern zu halten. Die Burschenschafter hatten während dessen ihren Spaß und begannen laut zu lachen. Als wir sie ein weiteres Mal aufforderten zu gehen schrie der Junge mit der Schärpe nur noch “mit welchem Recht? mit welchem Staatlichen Recht willst du mich weg bringen?” und weil die ganze Szene vor dem Tor zum Audimax auf dem Gehsteig stattfand, hatte er recht.

Die Fronten waren verhärtet, weder die Punk Mädchen noch die Burschenschafter wollten verschwinden. Zum Glück löste die Kälte dann den Konflikt und alle Parteien zogen um ca. 4 Uhr früh ab.

Wer sind die Feinde des Audimax?

Sie sind Innen und Außen. Sie sind in jeder Form des Extremismus, der fest gefahrenen Ideologien oder diskriminierenden Grundhaltung. Ich hab an diesem Abend die Arbeit der Krisenintervention sehr zu schätzen gelernt, auch wenn ich anfangs gegen sie war. Sie machen einfach einen notwendigen Job um Gewalt zu verhindern.

Ich schreibe diesen Blogbeitrag einerseits weil ich es unvorstellbar finde, dass bis jetzt noch niemand über die Situation in der Nacht vor dem Audimax geschrieben hat und andererseits weil diesen Samstag eine noch größere Gefahr droht. Zitat eines Kettenmails:

hey leute,

morgen findet ja die demo um 19 uhr gegen die 150-jahr feier der olympia statt. ich wollt euch nur mal dazu ein paar zitate aus dem alpen-donau www.alpen-donau.info/ weiterleiten.

ich denk, dass es gut ist sich dessen bewusst zu sein und dass es enorm wichtig ist, dass das audimax dieses wochenende voll ist.

lg basti

“Bekanntlich befindet sich mit dem besetzten Hörsaal „Audimax“ ein Zentrum für Gewaltverbrecher in unmittelbarer Nähe zur Hofburg.”

“Bereits diesen Freitag wird aller Voraussicht nach die Gewaltorgie rund um den Kommers beginnen.”

Die Polizei wird mit entsprechenden Kräften im Einsatz sein. Wir empfehlen die Durchsetzung des „Vermummungsverbots“ sowie eine Räumung des „Audimax“. Darüber hinaus wünschen wir einmal mehr unseren Freunden bei der Exekutive: „Viel Spaß und Knüppel frei!“

“Offensichtlich ist einem Teil der Antifaschisten die SPÖ-Aktion zu wenig. Deshalb rufen jetzt auch die Bummelstudenten von ‘Uni-Brennt’ zu Krawallen auf.”

Die SPÖ, die „GrünInnen“ und diverse andere Halbweltsorganisationen mobilisieren einmal mehr den Abschaum der Menschheit gegen Deutschtum und Meinungsfreiheit. ….

“Die zu erwartende Orgie des Hasses, der Gewalt und Sachbeschädigungen, wird von den Kommersveranstaltern wiefolgt kommentiert:

„Kein Problem haben offenbar die Veranstalter des Festkommerses mit den Gegenveranstaltungen. Solange diese im gesetzlichen Rahmen blieben, handle es sich um demokratische Aktionen, sagte ein Sprecher. Die Burschenschafter hätten seit 200 Jahren für Meinungs- und Pressefreiheit gekämpft.“

Unserer Ansicht nach verlangen raue Zeiten auch eine rauen Ton.
Die Vergangenheit verpflichtet
Es ist Zeit die Faust zu bandagieren und die Glacéhandschuhe auszuziehen.”

Der Audio Mitschnitt einer Rede von mir im besetzten AudiMax im Zuge der unibrennt Proteste

Ich bin mit meinem Podcast auf diesem Blog ja bis jetzt sehr Stiefmütterlich umgegangen. Das soll sich jetzt Ändern! Talking Anthropology ist ein Projekt in das ich sehr viel Herzblut gesteckt habe und mit dem ich wachsen will. Trotz kleiner Mackel, werde ich langsam immer zufriedener damit.

Die neueste Folge hat nun auch wirklich einen eigenen, sehr guten Charakter bekommen. Also hört euch das an und lasst mich eure Meinung wissen! Am Besten ihr abonniert gleich den Feed ;-)

 

Ich hab Jana Herwig gestern Abend gefragt wieso sie noch nichts über die aktuelle Besetzung des AudiMax an der Uni Wien getwittert hat. Durch diese Besetzung ist meine Twitternutzung nochmal quadriert worden. Nun ja, viel Twittern ohne etwas (dazu) von Jana zu lesen war komisch.  Sie hat mir dann geantwortet und aus meinem Kommentar zu ihrem Posting wurde das hier:

Das ist was ich vermisst habe in den letzten zwei Tagen. Zwei Tage im Ausnahme-Zustand mit sehr vielen Leuten und extrem viel Austausch.
Ich hab von Anfang an versucht das Geschen im und rund um das AudiMax transparent zu machen. Darin hab ich meinen Beitrag gesehen und deshalb rede ich viel, hab einen Podcast gemacht und schreibe was so passiert

Zu einer richtigen Analyse bin ich bis dato noch gar nicht gekommen. Es war so überwältigend bei so einem Ereignis überhaupt dabei zu sein. Gleichzeitig spührt man dort auch nach einiger Zeit unbehagen, bei einigen der RednerInnen am Podium sogar ganz laute Warnsignale.

offenes Plenum

offenes Plenum

Die Bewegung im AudiMax schöpft ihre Kraft aus einer romantischen, linken Revolutionsphantasie. Es war schön zu sehen das so etwas in Österreich passieren kann und man will daran glauben. Ein Haufen unzufriedener, autonomer StudentInnen und 12 Forderungen, die von der Akademie der bildenden Künste formuliert wurden. Anarchie und Basisdemokratie heißt einerseits kreativer Freiraum im tun, aber auch instabile Entscheidungsfindung.

Ich hoffe wir haben es hier mit einer Revolution zu tun! Eine Revolution die naturgemäß zum Scheitern verurteilt sein wird, so wie auch die Mehrzahl ihrer Forderungen. Trotzdem kann sie Siegen, indem ihr Kern, ihre Stoßrichtung die Gesellschaft bewegt. Die Bewegung wird sich irgendwann verlieren, aber zuvor bietet sie hoffentlich genügend Reibungsfläche und Anstoßgspunkte um bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Damit wir uns richtig verstehen: ich bin dafür das diese Bewegung langfristige Veränderungen bringt und den Wert von Bildung als Menschenrecht und gesellschaftliches Anligen festschreibt. Diese Richtung ist mir wichtig und ich sehe sie als Kern in den Vorderungen.

Wie Jana sagt, jeden der Punkte müssste man kontextualisieren und diskutieren, um zustimmen zu können. Aber im Kern sind diese Forderungen doch nur der Versuch einen möglichst radikalen Gegenentwurf zum Status-Quo zu skizieren.

Ich verstehe meine Position als Berichterstatter und Übersetzer zwischen den Menschen die demonstrieren wollen und dennen die nicht verstehen was hier überhaupt passiert. Damit eine Veränderung spührbar bleibt müssen so viele Leute wie möglich von den Protesten mit bekommen. Wie die Geschichte hier ausgehen wird traue ich mich jetzt noch nicht zu sagen…